Leadership Expertin Fiona Ackermann

#5 Gib dir Raum, bevor das letzte Quartal dich überrollt

September 30, 2026•7 min read

Gib dir Raum, bevor das letzte Quartal dich überrollt

Das letzte Quartal von 2026 beginnt. Plötzlich soll noch alles fertig werden, die Planung für 2027 läuft schon, und die ersten Weihnachtsessen stehen in der Agenda. Bevor diese drei Monate sich von selbst füllen, lohnt sich eine ehrliche Frage: Wo willst du mit diesem Jahr eigentlich noch hin?

Warum das letzte Quartal so schnell voll wird

Die letzten drei Monate haben in Unternehmen eine ganz eigene Dynamik. Ziele sollen erreicht werden. Budgets sollen ausgeschöpft oder eben eingehalten werden, Projekte abgeschlossen. Gleichzeitig beginnt die Planung fürs nächste Jahr, und das Tagesgeschäft läuft natürlich weiter.

Man kann diese Zeit wunderbar damit verbringen, noch einmal richtig Gas zu geben. Oder man nimmt sich vorher kurz Zeit und schaut hin.

Dabei geht es nicht um eine Jahresreflexion. Dafür ist es noch zu früh. Es geht darum, dir jetzt Raum zu geben, bevor die letzten Monate von selbst gefüllt werden.

Es beginnt bei dir

Wenn du dein Unternehmen führst, beginnt diese Frage bei dir. Was möchtest du in diesem Jahr noch erreichen? Damit meine ich nicht nur deine Unternehmensziele. Ich meine auch dich.

Wie möchtest du am Ende dieses Jahres dastehen, und wie möchtest du dich fühlen? Was braucht es, damit du im Dezember nicht erschlagen unter dem Weihnachtsbaum liegst und nur noch froh bist, wenn die letzte Weihnachtsfeier vorbei ist?

Schau ehrlich hin: Wie geht es dir nach diesen ersten neun Monaten, körperlich und mental? Und vielleicht auch etwas grundsätzlicher: Was hat dieses Jahr mit dir gemacht?

Viel läuft, aber ist es auch entschieden?

Der nächste Schritt ist die Frage, wo dein Unternehmen steht. Nicht, wie viel gerade läuft. Das ist eine andere Frage.

In Unternehmen kann unglaublich viel laufen, und trotzdem bleiben genau die Dinge liegen, die entschieden werden müssten. Meetings finden statt, Projekte bewegen sich, alle sind beschäftigt. Und doch gibt es dieses eine Thema, von dem du ganz genau weisst: Da müsste ich eigentlich ran.

Vielleicht ist es eine Person in deinem Team. Eine Spannung, die schon seit Monaten da ist. Eine Verantwortung, die nie wirklich geklärt wurde, oder eine Entscheidung, die du immer wieder nach hinten schiebst.

Ich würde mich nicht lange damit aufhalten, dass dieses Thema immer noch da ist. Die hilfreichere Frage lautet: Warum habe ich es bisher nicht entschieden?

Jahresendstress entsteht meiner Erfahrung nach nicht nur durch zu viel Arbeit. Er entsteht auch dadurch, dass wir zu viele Dinge offenlassen. Jedes offene Thema braucht Aufmerksamkeit, auch dann, wenn du dich gerade nicht aktiv damit beschäftigst.

Wo du selbst zum Engpass geworden bist

Das gilt auch für deine eigene Rolle. Was hängt heute noch an dir, obwohl es längst nicht mehr an dir hängen dürfte?

Gerade im letzten Quartal wird oft deutlich, wo Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer selbst zum Engpass geworden sind. Das hat nicht unbedingt damit zu tun, dass sie nicht delegieren können. Manchmal ist Loslassen schlicht unangenehmer als Überlastung.

Denn wer etwas abgibt, muss akzeptieren, dass jemand anderes es anders macht. Verantwortung muss tatsächlich übertragen werden, vielleicht müssen sich Strukturen verändern. Und manchmal muss ich mir eingestehen, dass ich selbst Teil des Problems geworden bin, über das ich mich seit Monaten ärgere.

Das sind keine gemütlichen Gedanken. Gerade deshalb lohnt es sich, ihnen jetzt Raum zu geben.

Was dein Team jetzt wirklich braucht

Was brauchen die Menschen in deinem Team in den letzten drei Monaten wirklich von dir? Noch mehr Druck, noch ein Motivationsmeeting, noch ein neues Ziel?

Oder vor allem Klarheit darüber, was jetzt zählt, und genauso wichtig, was bis Ende Jahr nicht mehr zählt?

Wir unterschätzen manchmal, wie entlastend Führung sein kann, wenn sie nicht ständig etwas hinzufügt. Wenn sie Dinge wegnimmt, klare Prioritäten setzt und sagt: Das hier machen wir. Und das hier machen wir bewusst nicht.

Die Zahl, die du lieber nicht anschaust

Dasselbe gilt für die Zahlen. Es gibt wahrscheinlich eine Zahl in deinem Unternehmen, die du sehr gerne anschaust. Und vielleicht eine, die du gerade lieber nicht anschaust. Du kennst sie trotzdem.

Vielleicht ist es die Marge, der Auftragseingang, die Auslastung, die Kostenentwicklung oder die Fluktuation. Spannend ist nicht nur, was diese Zahl aussagt. Spannend ist, was du daraus längst weisst und welche Entscheidung du trotzdem noch nicht getroffen hast.

Was willst du nicht mit ins 2027 nehmen?

In den nächsten Monaten kommt die Frage sowieso: Was machen wir 2027? Ich würde vorher gerne eine andere stellen: Was willst du nicht mit ins Jahr 2027 nehmen?

Welche Struktur, welches Projekt, welche Aufgabe soll nicht mehr auf deinem Tisch liegen? Welche Gewohnheit in deiner Führung? Und vielleicht auch: Welche Erwartung an dich selbst?

Was ich für mich entschieden habe

Ich habe mir diese Fragen auch gestellt, und ein paar Entscheidungen sind dabei ziemlich klar geworden.

Eine betrifft die Art, wie ich mit meinen Kundinnen und Kunden arbeite. Ich höre viele gut gemeinte Ratschläge, wie man ein Business skaliert und Prozesse standardisiert. Und ich weiss, dass persönlicher Kontakt mehr Zeit beansprucht. Trotzdem habe ich entschieden: Genau dieser persönliche Kontakt bleibt, auch 2027. Nicht obwohl er sich schlechter skalieren lässt, sondern weil ich überzeugt bin, dass genau dort ein wichtiger Teil meiner Arbeit entsteht.

Ich könnte auch viel stärker klassische Leadership-Workshops verkaufen. Dafür gibt es einen Markt. Nur interessiert mich nicht die nächste Führungsmethode, die wir auf ein bestehendes Problem draufsetzen. Ich möchte an die Ursache.

Und dieses Jahr hat mir gezeigt: Ich muss nicht für jede und jeden die Richtige sein. Ich möchte mit Menschen arbeiten, die tatsächlich etwas entscheiden können und bereit sind, ihren eigenen Anteil anzuschauen. Das macht meinen Markt vielleicht kleiner, aber meine Arbeit klarer.

Genau das meine ich mit Raum geben. Einfach weniger machen ist nicht nachhaltig. Was dich weiterbringt, ist, kurz aus der Bewegung herauszugehen, damit du wieder unterscheiden kannst: Was ist gerade wirklich wichtig? Was braucht eine Entscheidung? Was darf weg, und was soll bleiben? Und wann ist manchmal weniger mehr?

Deine 20 Minuten

Statt zehn Punkten zum Abarbeiten habe ich eine einzige Einladung für dich: Nimm dir zwanzig Minuten. Wenn möglich nicht zwischen zwei Meetings. Leite dein Telefon um oder stell es ab und schliess das E-Mail.

Nimm ein Blatt Papier und schreib fünf Bereiche hin:

  1. Ich: Körper, Seele und Geist sowie deine persönliche Weiterentwicklung

  2. Meine Entscheidungen

  3. Meine Führung

  4. Mein Team

  5. Mein Unternehmen

Schreib zu jedem Bereich zuerst alles auf, was du nicht mehr willst. Das haben wir gelernt, das kann unser Kopf sehr schnell. Dann schreib pro Bereich eine Sache auf, die du in den letzten drei Monaten von 2026 klären möchtest. Nicht zehn, nur eine.

Zum Schluss stell dir noch eine Frage: Was davon möchte ich auf keinen Fall ungeklärt mit ins Jahr 2027 nehmen?

Vielleicht liegt genau dort deine wichtigste Führungsaufgabe für dieses Quartal.

Wie es im November weitergeht

Bevor wir darüber sprechen können, wie sich ein Unternehmen weiterentwickelt, müssen wir manchmal zuerst klären, was wir selbst nicht länger mitschleppen wollen.

Genau dort machen wir im November weiter. Dann geht es hier und in meinem Podcast «Driver Seat» um Organisationsentwicklung. Anfang November spreche ich darüber mit einem Experten, und auf LinkedIn beleuchte ich das Thema den ganzen Monat aus verschiedenen Perspektiven. Du bekommst keine Methoden, die du über dein Unternehmen stülpst. Ich gehe der Frage nach, was eine Organisation braucht, damit sie sich wirklich entwickeln kann.

Für heute beginnt es bei dir. Gib dir den Raum, diese fünf Bereiche zu klären. So kommst du nicht einfach irgendwie durch die letzten drei Monate, sondern entscheidest bewusst, wie du dieses Jahr abschliesst und ins nächste gehst.

Führ dein Business. Oder es führt dich.

Auf ein letztes Quartal mit weniger offenen Schleifen und mehr klaren Entscheidungen.

Deine Fiona

Fiona Ackermann, Leadership Coach

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